Jedes Jahr bringt neue Prognosen für die interne Kommunikation. Die meisten klingen gleich. 2026 fällt auf, weil die Spannung zwischen den Trends nicht mehr zu ignorieren ist.
KI ist überall, aber die aktive Beteiligung und oft auch der gefühlte Nutzen stagniert. Die Werkzeuge sind besser als je zuvor, doch die Menschen, die sie nutzen, fühlen sich zu oft schlechter dabei. IC-Teams bespielen mehr Kanäle, Medien und Felder als je zuvor. Den Fokus zu bewahren wird zur eigentlichen Aufgabe.
Sechs Trends, die diese Spannung beschreiben.
1. KI ist kein Trend mehr. Die Ernüchterung schon.
73 % der IC-Verantwortlichen nutzen KI täglich oder wöchentlich. Ob man KI einsetzt, steht nicht mehr zur Debatte. Was man mit all dem Content anfängt, den sie produziert, schon.
KI kann Zusammenfassungen, Nachrichten oder multimediale Inhalte generieren und verbessern. Dafür sorgen, dass sich jemand für diese Inhalte interessiert, kann sie nicht. Wer KI sinnvoll einsetzt, nutzt sie für wiederkehrende Aufgaben, Datenanalyse, schnellere Produktion, gelegentlich ein neues Format. Den menschlichen Aufwand steckt man in das, was KI nicht liefert: Zuhören, Geschichten, Urteilsvermögen.
Mehr Inhalte bei weniger Relevanz und Authentizität: Das passiert, wenn KI zum Mengenmultiplikator wird. Dann ertränken IC-Teams die eigenen Mitarbeitenden in Rauschen.
2. Führungskräfte als Kommunikatoren: die größte Lücke im Organigramm
56 % der IC-Verantwortlichen nennen die Kommunikation durch Führungskräfte als wichtigste Priorität für 2026. Nur 4 % sagen, dass Führungskräfte dabei heute gut sind.
Die Ursache ist strukturell. Führungskräfte wurden eingestellt, um Prozesse zu steuern, Ziele zu erreichen, Leistung zu managen. Interne Kommunikation verlangt von ihnen, Unternehmensstrategie in Bedeutung auf Teamebene zu übersetzen. Ohne Werkzeuge, Zeit oder Unterstützung.
Ein weiterer Workshop wird das nicht lösen. Ein Kanal, ein fester Rhythmus und Inhalte, die Führungskräfte ohne Umschreiben nutzen können, schon. Fertige Updates, Sprechpunkte und Vorlagen, die Zeit sparen statt Arbeit schaffen.
3. 80 % der Belegschaft haben keinen Schreibtisch. Die meisten Kommunikationsstrategien tun so, als hätten sie einen.
Nur 9 % der Mitarbeitenden ohne festen Arbeitsplatz sind mit der internen Kommunikation zufrieden. 38 % bewerten sie als mäßig oder schlecht.
Die Standardantwort „Wir schicken eine E-Mail“ funktioniert nicht für Menschen ohne Firmen-Postfach. Ein Intranet, das VPN und Laptop erfordert, auch nicht. Das Problem gibt es seit Jahren, aber die Lücke wird sichtbarer.
Mobile-First ist der Mindeststandard, um die Mehrheit einer großen Belegschaft zu erreichen. Auf dem Smartphone findet heute die wichtigste Kommunikation statt.
4. Zugehörigkeit löst Engagement als Leitstern ab
68 % der IC-Teams geben dem Aufbau von emotionaler Zugehörigkeit Priorität. Das spiegelt einen Wechsel in den Erwartungen, nicht nur in der Sprache.
Engagement-Umfragen messen, ob jemand eine Nachricht gelesen hat. Zugehörigkeit misst, ob sich jemand als Teil von etwas fühlt. Engagement ist eine Kennzahl, Zugehörigkeit ein Zustand. Bessere Betreffzeilen verbessern die erste. Die zweite erfordert echte Beteiligung, Anerkennung und Stimme.
Micro-Communities gehören zu den interessantesten Entwicklungen hier. Selbstorganisierte Gruppen innerhalb des Unternehmens, rund um Projekte, Fachgebiete oder gemeinsame Interessen, die Silos abbauen und als kulturelle Labore wirken. Sie ersetzen nicht die formelle Kommunikation. Sie ergänzen sie um das, was IC-Teams seit Jahren anstreben: Energie von unten.
5. Die Messung bleibt schwierig
81 % der IC-Verantwortlichen sagen, E-Mail sei ihr effektivster Kanal. „Effektiv“ und „messbar“ sind aber nicht dasselbe. E-Mail lässt sich leicht tracken. Das macht sie nicht zum besten Weg, Menschen zu erreichen.
Die jährliche Mitarbeiterbefragung verliert an Gewicht. Führende Unternehmen setzen auf Echtzeit-Stimmungssignale, kurze Pulsbefragungen und Verhaltensdaten, ergänzt um qualitative Inputs.
IC-Teams, die nachweisen können, dass Kommunikation Fluktuation, Produktivität und Kultur beeinflusst, sichern sich Budgets und einen Platz am Tisch.
6. Interne Kommunikation hat eine Identitätskrise
Content-Fabrik, Change-Management-Funktion, Kulturteam, KI-Operator: 2026 hängt die Antwort davon ab, wen man fragt.
Die erfolgreichen Teams haben eine Entscheidung getroffen. Sie formen, wie das Unternehmen kommuniziert, statt nur zu veröffentlichen, was andere vorgeben. Sie setzen auf Qualität statt Menge und auf Gespräch statt Sendung.
Das erfordert, Dinge loszulassen. Nicht jede Nachricht braucht IC-Beteiligung, nicht jeder Kanal braucht zentrale Kontrolle. Immer mehr Teams geben das Megafon ab und schaffen stattdessen die Umgebung, in der gute Kommunikation auch ohne sie stattfindet.